Mitte Mai 2026 ist in den Akquisitions-Berichten vieler GA4-Properties ein neuer Kanal aufgetaucht: „KI-Assistenten". Ohne Banner, ohne Setup - Google hat die Zuordnung am 13. Mai 2026 serverseitig scharf geschaltet. Damit beantwortet GA4 erstmals von selbst die Frage, wie viele Besucher aus ChatGPT, Gemini und Co. kommen.
Die kurze Antwort steht jetzt im Bericht. Die ehrliche Antwort ist länger: Der Kanal erfasst nur einen Teil des KI-Traffics, er beginnt bei null, und ausgerechnet Googles eigene KI-Antworten zählen nicht dazu. Dieser Beitrag zeigt beides - was der Kanal kann und wo du selbst nachmessen musst.
Was Google am 13. Mai 2026 eingeführt hat
Der Changelog-Eintrag heißt nüchtern „Neue Messung von Traffic von KI-Assistenten" (What's new in Google Analytics, 13.05.2026). Dahinter stecken drei automatische Zuweisungen:
| Dimension | Neuer Wert | Bedingung |
|---|---|---|
| Medium | ai-assistant |
Referrer passt auf Googles interne Assistenten-Liste |
| Standard-Channelgruppe | „KI-Assistenten" | Medium ist exakt ai-assistant |
| Kampagne | (ai-assistant) |
wird zusammen mit dem Medium gesetzt |
Die Kanalregel ist bemerkenswert schlicht: Der Kanal greift, wenn das Medium
exakt ai-assistant lautet - so steht es in der
Definition der Standard-Channelgruppen
(Stand 17.08.2026). Welche Referrer Google auf dieses Medium mappt,
entscheidet eine interne Liste. Veröffentlicht ist sie nicht.
Zwei Details fehlen in fast jedem Beitrag zum Thema. Erstens schreibt Google den Kanalnamen selbst uneinheitlich: Der Changelog sagt „KI-Assistent", die Kanaldefinition „KI-Assistenten". Zweitens war der Rollout gestaffelt - angekündigt am 13. Mai, breit über die Properties verteilt erst um den 7. Juni 2026. Wenn deine Property im Mai noch nichts zeigte, war das kein Fehler, sondern der Rollout.
Wo du den KI-Traffic findest
Am schnellsten unter Akquisition → Traffic-Akquise: Dort taucht „KI-Assistenten" als Zeile in der Dimension „Sitzung - Standard-Channelgruppe" auf, sobald erkannte Besuche eingehen. In Explorationen steht der Kanal über dieselbe Dimension bereit; im First-User-Scope („Erste Nutzerinteraktion") kam er erst später an.
Seit dem 11. Juni 2026 gibt es außerdem ein zweites Sichtfenster: Das Changelog-Update „New Source Group field" bündelt Quellen zu Gruppen - und dort führt Google neben „ChatGPT (OpenAI)" auch Perplexity als eigene Gruppe. Merk dir diesen Unterschied, er wird gleich wichtig: Im Source-Group-Feld existiert Perplexity, im KI-Kanal nicht.
Welche Assistenten Google erkennt - und welche nicht
| Assistent | Status im Kanal „KI-Assistenten" |
|---|---|
| ChatGPT | erkannt (Beispiel in Ankündigung und Definition) |
| Gemini | erkannt (Beispiel in Ankündigung und Definition) |
| Deepseek, Copilot, Grok | erkannt (Beispiele der aktuellen Definition) |
| Claude | in der Ankündigung genannt, in der aktuellen Definition nicht mehr |
| Perplexity | nirgends gelistet - Besuche laufen als Referral |
Beide Google-Listen sind ausdrücklich als Beispiele formuliert („Quellen
wie ..."), eine vollständige Liste gibt es nicht. Auffällig ist die Drift:
Die Ankündigung vom 13. Mai nannte ChatGPT, Gemini und Claude - die heutige
Definitionsseite nennt ChatGPT, Gemini, Deepseek, Copilot und Grok. Claude
ist aus den Beispielen verschwunden, Perplexity stand nie drin. Ein
Praxistest von Clickport (Stand 12.06.2026) bestätigt: Ein
perplexity.ai-Referrer wird als Referral klassifiziert, nicht als
KI-Assistent. Wer einen fehlenden Assistenten vermisst, kann ihn bei
Google melden - Aufnahme-Wünsche laufen über
googleanalytics-channelgrouprequests@google.com (dokumentiert bei
Search Engine Journal, Juli 2026).
Und dann ist da noch der Satz im Kleingedruckten, den kaum jemand zitiert: Klicks aus Googles KI-Übersichten und dem KI-Modus zählen laut Kanaldefinition zu Organic Search - nicht zum KI-Assistenten-Kanal. Wer die Kanalzeile als „gesamten KI-Einfluss" liest, übersieht also genau den KI-Traffic, der über die Google-Suche selbst kommt.
Warum die Zahl eine Untergrenze ist
Die Kanal-Erkennung hängt am Referrer-Header. Genau der fehlt bei einem erheblichen Teil der KI-Besuche: Klicks aus nativen Apps (ChatGPT-App, Gemini in iOS), aus In-App-Browsern und von Seiten mit strikter Referrer-Policy kommen ohne Absender an. GA4 sortiert sie dann in Direct - für den neuen Kanal unsichtbar.
Wie groß die Lücke ist, haben mehrere Anbieter mit eigenen Daten gemessen - und die Ergebnisse liegen nah beieinander. Loamly fand in 446.000 untersuchten Visits, dass 70,6 % des KI-Traffics ohne Referrer ankamen (Stand Februar 2026). Attrifast misst in einer 200-Site-Kohorte, dass GA4 rund 70 % der ChatGPT-Sitzungen als Direct verbucht (Mai 2026) - das ChatGPT-Webinterface gibt den Referrer demnach bei etwa 28 % der Klicks weiter, die Desktop-App bei 6 %. Die oft zitierte Spanne „20-40 %" hat dagegen keine auffindbare Originalstudie; die publizierten Messungen liegen deutlich höher. Kleinstudien bestätigen das Muster: Wheelhouse DMG fand in Server-Logs 56 Gemini-Besuche von iOS - in GA4 kamen 5 davon mit Referrer an (zitiert via Clickport, Juni 2026).
Dazu kommen zwei strukturelle Blindstellen, die kein Kanal je schließen wird: Nutzer, die eine URL aus der KI-Antwort kopieren statt zu klicken, erzeugen nie einen Referrer. Und Adblocker sowie Privacy-Tools strippen den Header auch dort, wo er gesendet würde.
Eine Teilkompensation gibt es: ChatGPT hängt an ausgegebene Links
utm_source=chatgpt.com an - allerdings nicht überall und nicht immer.
Citations sind meist getaggt, Links aus Suchergebnis-Listen teils nicht,
und das Verhalten hat sich seit 2024 mehrfach geändert.
Das führt zur nächsten Stolperfalle: Selbst der ChatGPT-Traffic, der
ankommt, landet nicht geschlossen im KI-Kanal. Je nachdem, ob der Referrer
erkannt wird, nur der UTM-Parameter durchkommt oder beides fehlt, verteilt
sich dieselbe Quelle auf bis zu drei Kanäle - KI-Assistenten, Referral und
Direct, plus Unassigned, wenn utm_source ohne gültiges Medium ankommt
(Search Engine Journal, 15.07.2026). Für belastbare Zahlen filterst du
deshalb quer über alle Kanäle auf die Quelle chatgpt.com, statt nur die
Kanalzeile zu lesen. Für alle anderen Assistenten gilt: Beobachte deinen
Direct-Anteil. Wächst er parallel zur KI-Sichtbarkeit, versteckt sich dort
vermutlich KI-Traffic - dieselbe Logik, mit der du auch
Unassigned Traffic und
(not set)-Quellen zerlegst.
Warum sich das Nachmessen lohnt
Nicht wegen der Menge - die ist noch klein. Ahrefs bezifferte den messbaren KI-Anteil über 3.000 Websites auf 0,17 % der Besucher (Februar 2025), und Similarwebs 1,1 Milliarden KI-Referrals im Juni 2025 (+357 % zum Vorjahr) sind immer noch ein Bruchteil der 191 Milliarden aus der Google-Suche.
Es lohnt sich wegen der Qualität. Bei Ahrefs selbst stellte KI-Suche 0,5 % der Besucher, aber 12,1 % der Signups - eine 23-fach höhere Conversion-Rate als organische Suche (Juni 2025). Semrush bewertet KI-Besucher anhand von Conversion-Rates mit dem 4,4-fachen Wert organischer Besucher (Studie, Juni 2025). Adobe maß im März 2026 eine um 42 % bessere Conversion-Rate - nachdem KI-Traffic ein Jahr zuvor noch schlechter konvertierte als andere Kanäle. Die bitterste Pointe liefert Loamly: Der als Direct getarnte KI-Traffic konvertierte in ihren Daten mit 10,2 % gegenüber 2,5 % beim restlichen Traffic. Die wertvollste Besucherkohorte versteckt sich also ausgerechnet in dem Kanal, in den niemand hineinschaut.
Der 13. Mai 2026 ist deine Nulllinie
GA4 klassifiziert historische Daten nicht um. Sitzungen vor dem 13. Mai 2026 bleiben dauerhaft in Referral oder Direct - der Kanal zählt nur vorwärts. Google sagt dazu im Changelog nichts; die Nicht-Rückwirkung ist in der Praxis dokumentiert und deckt sich mit dem Verhalten der Standard-Channelgruppen.
Daraus folgen drei konkrete Handgriffe:
- Setze eine Annotation auf den 13. Mai 2026. Jeder Vorher-Nachher-Vergleich ohne diese Markierung führt in die Irre.
- Erwarte einen scheinbaren Referral-Einbruch. Traffic, der vorher als Referral lief, wandert ab Mai in den neuen Kanal. Ein Jahresvergleich des Referral-Kanals ist ab jetzt ohne diese Brille wertlos.
- Baue die historische Baseline über eine eigene Channel Group. Eigene Channel Groups wirken laut Google-Doku rückwirkend auf Berichte - sie sind der einzige Weg, KI-Traffic auch vor dem 13. Mai 2026 sichtbar zu machen.
Brauchst du die manuelle Channel Group noch?
Ja - für die Historie und für die Lücken. Als Grundlage für die eigene Regel und für BigQuery-Analysen: die gängigen Referrer-Domains der Assistenten (Stand Juli 2026, dokumentiert bei DarwinApps):
| Assistent | Referrer-Domain |
|---|---|
| ChatGPT | chatgpt.com, chat.openai.com |
| Perplexity | perplexity.ai |
| Claude | claude.ai |
| Gemini | gemini.google.com |
| Copilot | copilot.microsoft.com |
| Deepseek | deepseek.com |
| Grok | grok.com, x.ai |
| Meta AI | meta.ai |
| You.com | you.com |
Eine eigene Channelgruppe mit einer Regel „Quelle stimmt mit Regex überein" deckt Historie und Lücken in einem ab:
chat\.openai\.com|chatgpt\.com|perplexity\.ai|claude\.ai|gemini\.google\.com|copilot\.microsoft\.com|grok\.|x\.ai|deepseek\.com|meta\.ai|you\.com
Drei Stolperfallen aus der Praxis:
- Regelposition: GA4 ordnet Traffic dem ersten passenden Kanal zu („first match"). Die KI-Regel gehört deshalb über Referral, sonst fängt Referral die Perplexity-Besuche weiter ab.
- Medium-Bedingung erweitern: Seit dem 13. Mai setzt GA4 das Medium
erkannter Assistenten auf
ai-assistantum. Eine ältere Regel, die aufmedium = referralplus Quellechatgpt.comprüfte, matcht neuen ChatGPT-Traffic deshalb nicht mehr. Diese Konsequenz steht in keiner Google-Doku, sie folgt aber direkt aus der dokumentierten Mechanik. - Limit beachten: Standard-Properties erlauben nur 2 eigene Channel Groups (360: 5). Verbrauche keinen Slot für eine Kopie der Standard-Gruppe.
Was du jetzt in deiner Property prüfst
- Startdatum der KI-Zeilen kontrollieren. Filtere die Traffic-Akquise auf „KI-Assistenten" und prüfe, ab wann Daten laufen - Mitte Mai bis Anfang Juni ist normal, ein späterer Start deutet auf wenig erkannten KI-Traffic hin.
- Direct-Anteil gegen die Schwellen halten. Der GA4 Auditor bewertet den Direct-Anteil mit <20 % Grün, 20-35 % Gelb, >35 % Rot - die Logik dahinter steht in der Hilfe zur Attribution & Akquisitions-Qualität. Ein wachsender Direct-Block ist der wahrscheinlichste Ort für unsichtbaren KI-Traffic.
- Referrer-Ausschlüsse gegenprüfen. Steht eine Assistenten-Domain versehentlich in „List unwanted referrals", wird ihr Traffic zu Direct - und der Kanal bleibt leer.
- Auf Event-Level nachmessen. Im BigQuery-Export steht die Kanal-Zuordnung pro Event im Feld
session_traffic_source_last_click.cross_channel_campaign.default_channel_group
Wichtiger noch: Der Export konserviert Quelle und Referrer jedes Events. Damit kannst du die KI-Klassifikation rückwirkend selbst bauen - genau das, was die GA4-Oberfläche für die Standard-Channelgruppe nicht kann:
SELECT
session_traffic_source_last_click.manual_campaign.source AS quelle,
COUNT(DISTINCT CONCAT(user_pseudo_id, (
SELECT value.int_value FROM UNNEST(event_params)
WHERE key = 'ga_session_id'))) AS sessions
FROM `projekt.analytics_XXXXXX.events_*`
WHERE REGEXP_CONTAINS(
session_traffic_source_last_click.manual_campaign.source,
r'chatgpt|openai|perplexity|claude\.ai|gemini|copilot|deepseek|grok')
GROUP BY quelle
ORDER BY sessions DESC
Der GA4 Auditor liest die Kanalverteilung aus beiden Welten (Data API und BigQuery-Export) und flaggt erhöhte Direct- und Unassigned-Anteile automatisch. Property jetzt prüfen.
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Häufig gestellte Fragen
- Wie messe ich ChatGPT-Traffic in GA4?
- Seit dem 13. Mai 2026 automatisch: GA4 setzt bei erkannten KI-Referrern das Medium ai-assistant und gruppiert die Sitzungen im Kanal „KI-Assistenten" (Bericht Akquisition → Traffic-Akquise). ChatGPT hängt zusätzlich utm_source=chatgpt.com an ausgehende Links. Besuche aus Apps ohne Referrer landen allerdings weiterhin in Direct.
- Welche KI-Assistenten erkennt GA4 automatisch?
- Google nennt als Beispiele ChatGPT, Gemini, Deepseek, Copilot und Grok - die vollständige Referrer-Liste ist nicht veröffentlicht. Perplexity taucht in der Kanaldefinition nicht auf und läuft weiterhin als Referral. Claude stand in der Ankündigung vom Mai 2026, fehlt aber in der aktuellen Definition.
- Zählen Googles KI-Übersichten zum Kanal „KI-Assistenten"?
- Nein. Klicks aus den KI-Übersichten (AI Overviews) und dem KI-Modus der Google-Suche ordnet Google ausdrücklich Organic Search zu, nicht dem KI-Assistenten-Kanal. Der Kanal misst nur Chatbot-Referrer wie chatgpt.com oder gemini.google.com.
- Warum sehe ich den Kanal „KI-Assistenten" in meiner Property nicht?
- Drei häufige Gründe: Der Rollout war gestaffelt (angekündigt am 13. Mai 2026, breit verfügbar erst Anfang Juni), deine Property hat schlicht noch wenig KI-Traffic, oder der Bericht nutzt einen Scope, in dem der Kanal später auftauchte. Prüfe die Dimension „Sitzung - Standard-Channelgruppe" in der Traffic-Akquise.
- Brauche ich noch eine eigene Channel Group für KI-Traffic?
- Ja, aus zwei Gründen: Eigene Channel Groups wirken rückwirkend und liefern die historische Baseline, die der neue Kanal nicht hat - und du kannst Perplexity und andere fehlende Assistenten selbst ergänzen. Achtung: Regeln, die auf medium=referral plus Quelle chatgpt.com prüften, greifen seit der Medium-Umstellung nicht mehr.